Kundgebung in Gedenken an Mehmet Kubaşık und Halit Yozgat

Wir haben heute in Gröpelingen den am 4. April 2006 vom NSU ermordeten Mehmet Kubaşık und am 6. April 2006 vom NSU ermordeten Halit Yozgat unter den strengen Auflagen des Ordnungsamtes gedacht. Wir haben uns sehr über das Interesse der Menschen vor Ort gefreut und danken auch der Initiative in Gedenken an Laye-Alama Condé, der 2005 an den Folgen der Brechmittelfolter durch die Polizei starb.

Am 04. November 2011 enttarnte sich der selbsternannte ‚Nationalsozialistische Untergrund‘ (NSU) selbst. Der NSU ist ein Komplex, der aus dem bekannten Mord-Trio und regionalen Netzwerken aus Unterstützer*innen besteht. Der NSU ermordete zwischen 2000 und 2006 mindestens neun Menschen aus rassistischen Gründen. Mehmet Kubaşık und Halit Yozgat waren die beiden letzten Opfer dieser Mordserie. Mehr Informationen zu den beiden findet in den Redebeiträgen.

Die Hinterbliebenen der Mordopfer wurden durch die Polizei verdächtigt und unmenschlichen Verhörmethoden ausgesetzt. Der NSU verübte auch mindestens drei Sprengstoffanschläge, um möglichst viele migrantische Menschen zu töten. Die Kölner Keupstraße wurde mit einer Nagelbombe angegriffen. Aussagen und Bilder bringen den langjährigen Spitzel des Inlandsgeheimdienstes (Verfassungsschutz) außerdem mit dem Anschlag auf einen Kölner Lebensmittelladen in Verbindung.
Die Getöteten und Überlebenden wurden von der Polizei rassistisch zu Tätern eines phantasierten kriminellen Milieus gemacht. Die Familien wurden in die soziale Isolation gezwungen, manche von ihnen wanderten aus, weil sie den Druck nicht mehr aushielten. Die Polizei aber zerstörte den Ruf der Familien selbst in Gegenden außerhalb Deutschlands, flogen in die Türkei und stellten penetrant Fragen zu angeblich kriminellen Machenschaften der Ermordeten und Hinterbliebenen. Die Ermittlungsgruppen gaben sich Namen wie Soko Halbmond und BAO Bosporus, erzählten von der Blumen-, Türken-, Kurden-, Glücksspiel- oder Drogenmafia und die Gesellschaft machte mit. In den Medien stand etwas von Dönermorden, organisierter Kriminalität, Familienfehden. Nur von Rechtsterrorismus, von Rassismus stand da nichts. Und auch nichts vom Verfassungsschutz, der seit seiner Gründung alles tut, um rechten Terrorismus Kleinzureden, zu leugnen und immer wieder auch zu unterstützen. Über 40 V-Leute waren im NSU Komplex aktiv, fünf davon im engsten Umfeld. Einer davon ließ TerroristInnen des NSU-Trios während deren Mordserie für sich arbeiten. Ein Mitarbeiter des Hessischen Geheimdienstes war beim Mord an Halit Yozgat anwesend.


Rechter Terror war vor dem NSU schon Alltag in Deutschland. Er richtet sich täglich gegen geflüchtete Menschen. Er richtet sich gegen alle, die von der weißen Mehrheitsgesellschaft als Andere gesehen werden. Die Betroffenen werden kaum gehört. Wir erinnern hier an die neun Opfer der rassistischen Mordserie des NSU. Wir trauern um alle Opfer rechter Gewalt. Wir fordern die Aufklärung des gesamten NSU-Komplexes!
Der Opfer zu Gedenken heißt, ihre Geschichten zu kennen. Das Leid ihrer Angehörigen zu kennen. Das heißt, Die Geschichte der Migration anzuerkennen; und die Geschichte des deutschen Rassismus und Rechtsterrorismus nicht zu leugnen.

Für eine Gesellschaft der Vielen